Der Bader an der Saale

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Der Bader an der Saale

Vor vielen Jahren lebte in einer Stadt an der Saale ein Bader, und weil seine Wohnung nahe der Saale lag, wurde er der „Saalbader“ genannt. Doch obwohl er ein geschickter Mann war, der sein Handwerk verstand, wurde seine Scherstube immer leerer. Und das kam so: Des Baders Mundwerk war wie eine Wassermühle, keinen Augenblick stand es still, immer mußte er schwatzen. Kaum war der Kunde zur Tür herein, so ging das Geplapper schon los. Dabei immer die alten Geschichten, die jeder Spatz im Städtchen pfeifen konnte! Wehe, wer entfliehen wollte, den hielt er am Rock fest und ließ ihn sogleich nicht wieder frei. Ja, einmal soll ein wackerer Bürger in Verzweiflung mit halbgeschorenen Barte davon gerannt sein. Das ewige Geschwätz des Vaters vertrieb auch den verliebtesten Freier. So ist Susanne eine Jungfer geblieben. Als der Vater dann starb, verschloß Petrus ihm die Himmelstür. Da holte der Teufel den Bader in die Hölle, doch zur Vorsicht nähte er ihm vorher das Mundwerk zu. Die ehrsamen Bürger aber vergaßen den Schwätzer so schnell nicht.

Quelle

Das Sagenbüchlein des Kreises Weißenfels (1937) von Alfred Nier

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